Das Zollhaus veranstaltet regelmäßig Poetry-Slams. In der Slamer-Szene, die inzwischen in ganz Deutschland von Podium zu Podium reist, hat sich der Leeraner Slam bereits herumgesprochen. Sieben bis zehn Literaten kämpfen mit Kurzvorträgen um die Gunst des Publikums. Höchst amüsant und überraschend, denn die Qualität der vorgetragenen literarischen Werke ist oft erstaunlich - und auf jeden Fall für das Publikum amüsant. Hier die Besprechung des letzten Slams in der Ostfriesen-Zeitung!

 

Dichter-Wettstreit mit vielen Höchstnoten

von Stephan Schmidt
22. Februar 2010

Der Poetry-Slam im Leeraner Zollhaus sorgte bei den rund 270 Besuchern für Begeisterung. Favorit Bleu Broode aus Hamburg und Thomas Spitzer aus Regensburg gewannen mit gleicher Punktzahl. Die Texte reichten vom Absurden bis zum Gesellschaftskritischen.
Arm mit Arm mit den Siegern: der Erstplatzierte Bleu Broode (von links), Moderatorin Annika Blanke, Co-Gewinner Thomas Spitzer und Moderatorin Eyla Rademacher.
Bild: Schmidt
Leer - Ein Poetry-Slam ist wie eine Wundertüte: Die Besucher wissen vorher nie, was sie bekommen. Bei der ersten Auflage des Dichter-Wettstreits im Zollhaus in Leer in diesem Jahr war die Mischung aber hörens- und sehenswert. Die Jury bestand aus allen 270 Gästen im voll besetzten Veranstaltungszentrum. Am Ende überzeugten der 21-jährige Bleu Broode aus Hamburg und der 22 Jahre alte Thomas Spitzer aus Regensburg am meisten und gewannen punktgleich. Der Bayer hatte den weitesten Weg von allen. Der habe sich aber, wie er Teilnehmer-typisch ironisch bemerkte, nicht gelohnt.

Von den acht Teilnehmern kamen vier ins Finale. Dort packten die "Slammer" ihre besten Texte aus. Thomas Spitzer bot eine grandiose Version des Gedichts "Der Erlkönig": ein Gespräch in Reimform zwischen Vater und Sohn im Auto über die Umweltzerstörung. Die Zuschauer grölten vor Lachen: Es gab mehrfach die Bestnote 10 und insgesamt 58 von 60 möglichen Punkten für ihn.

Auch ein nachdenklicher Beitrag kann beim Slam zum Sieg führen

Bleu Broode, der in Slammer-Kreisen durch seinen Nationalsieg in Zürich im vergangenen Jahr bekanntgeworden ist und schon deshalb als Favorit galt, musste danach ran. Er zeigte sein schauspielerisches Talent bei seinem eher nachdenklichen Vortrag. Wieder war das Publikum begeistert, wieder gab es 58 Punkte.

Der Poetry-Slam scheint sich in Leer etabliert zu haben. "Wir haben immer mehr Zuschauer", sagt Eyla Rademacher aus Leer, die den Abend zusammen mit der aus Leer stammenden Annika Blanke aus Oldenburg moderierte. Der nächste "Slam" soll übrigens schon in einem Vierteljahr steigen.

Der Name Poetry-Slam kommt vom englischen Wort für Poesie und der Bezeichnung für "knallen" und "schlagen". In Leer wurden am Freitag Bewertungsschilder zufällig im Publikum verteilt. Jeder der sechs Besucher-Juroren konnte eine Note von ein bis zehn vergeben. Er musste sich dabei aber mit den um ihn herum sitzenden Gästen abstimmen. Alle Noten wurden zusammengezählt.